Eileen, 12 Jahre, hat „doppelten Kummer“ und geht damit voller Hoffnung zur Vertrauenslehrerin, Frau Herzog: Vor einem Monat ist der Vater gestorben, von dem sich die Mutter vor Jahren getrennt hatte. Der Mutter ist dieser Tod gleichgültig, das sagt sie auch Eileen, die nun niemanden hat, dem sie von ihrer Trauer erzählen kann. Selbst bei der Beerdigung war sie allein. Noch schlimmer ergeht es ihr in der Klasse. Die Klassenlehrerin hatte in Eileens Abwesenheit von dem Todesfall berichtet und die Kinder zur Nachsicht gemahnt, wenn es Eileen mal nicht gut geht.
Diese „Nachsicht“ geriet den Jungs zum Mobbing. Wenn Eileen ihr Frühstück herausholte, wurde sie gefragt: „Na, ist das wieder dein Leichenschmaus?“ Oder „Na, du hungrige Halbwaise?“ Tiefpunkt für Eileen war: „Na, habt ihr die Wurst vom Papa gemacht? Ne Kannibalenwurst!“
Eileen ist deswegen drei Tage nicht in der Schule gewesen, hat glatt geschwänzt und bittet die Vertrauenslehrerin um Hilfe. Sie möchte doch mit den Jungen reden, „damit diese Gemeinheit aufhört“. Frau Herzog zeigt Verständnis: „Das ist wirklich schlimm für dich. Da habe ich eine Idee. Wenn die Jungs dich in der Hofpause ärgern, darfst du in nächster Zeit während der Pause im Klassenraum sein. Ich sage das deiner Klassenlehrerin. Mit deinen Klassenkameraden reden –ich glaube, das hat keinen Sinn. Die sind schon so verdorben und geschmacklos, da können wir als Schule doch gar nichts mehr bewirken. Wahrscheinlich haben die sowas bei Tiktok gesehen.“
