Ihre Familie kommt aus Nigeria; Sabelo wurde vor 14 Jahren in Deutschland geboren und wuchs ohne Diskriminierungserfahrungen in der Großstadt auf. Das änderte sich nach dem Umzug nach Bad O. Hier drehten sich Leute auf der Straße nach ihr um, und die Integration in die neue Schul- und Lebenswelt war nicht einfach. Vor allem wurde sie nicht mehr so unbefangen zu Geburtstagen oder anderen Partys eingeladen. Und wenn im Unterricht irgendein Wort über Rassismus oder Diskriminierung fiel, schauten alle zu ihr hin – auch die vier muslimischen Jungen in ihrer Klasse.
Die fanden es irgendwann lustig, um Sabelo herumzuhüpfen und um einen „Negerkuss“ zu bitten und dabei kokett mit den Augen zu rollen. Anfangs ging sie wortlos weg und bat dann, als das nichts half, die Klassenlehrerin um Unterstützung. Diese nahm sich der Sache an, widmete eine Doppelstunde dem Thema „Diskriminierung und Toleranz“, ohne dabei Sabelos Namen zu nennen, und verwies mit Nachdruck auf die in der Schul-Homepage entfalteten Ziele der gesamten Schulgemeinde. Wer diese nicht einhalte, müsse mit Sanktionen rechnen.
Die Jungen fanden einen Ausweg: Sie gingen Sabelo entgegen oder neben ihr her und sagten etwa: „Wie schön, dass du auch gegen Rassismus bist.“ Oder: „Du willst wohl nicht, dass wir das Wort `Neger` sagen. Wir wollen das auch nicht.“ Deren ironischen Varianten gab es viele.
Sabelo wandte sich erneut an die Klassenlehrerin und hörte von ihr: „Dagegen kann ich nichts machen. Gegen Ironie gibt es keine Hilfe und keine Strafe. Die sagen ja objektiv nichts Falsches. Vielleicht ignorierst du das einfach. Und wenn du das nicht kannst – vielleicht wechselst du einfach die Schule. Ich bin dir dabei gern behilflich.“
